Auszeit vom Alltag

Tagespflege Himmelpforten

Die Besucher der Tagespflege Himmelpforten schätzen die Gemeinschaft untereinander mit den Mitarbeitern. Hier (vlnr) Astrid Busch, stellv. PDL – Monique Riedel, Pflegedienstleitung – Angelika Haack, Einrichtungsleitung – Babara Jordan, Pflegefachkraft und Silke Moll, Betreuungskraft. Foto: DRK Tagespflege 

Für Pflegebedürftige und ihre pflegenden Angehörigen bedeutet der Aufenthalt in der DRK-Tagespflege in Himmelpforten eine willkommene Abwechslung. Die Gäste, meist mindestens Pflegegrad 2 und in der Regel im Seniorenalter, verbringen hier einen oder mehrere Tage in der Woche. 

Wenn es zu viel wird

Den Ehepartner oder einen Elternteil in eine Tagespflegeeinrichtung
zu bringen, ist oft ein schwieriger Schritt für die pflegenden Angehörigen. Meist ziehen sie dies erst in Erwägung, wenn Zeit und Kraft nicht mehr ausreichen. „Ich schaffe es nicht alleine“, erkannte auch Ilse*, als sie sich vor zwei Jahren mit 65 Jahren selbst von einem Krankenhausaufenthalt erholen musste. Ihr Mann Ulli* (74), hat Pflegegrad 4, kann kaum laufen, schlecht hören „und ein bisschen tüddelig ist er auch“, erklärt Ilse. Ihn zu pflegen, ist eine Rund-um-die-Uhr-Beschäftigung. Während ihres Krankenhausaufenthaltes, war ihr Mann in einem Heim untergebracht und wollte immer nach Hause. Doch Ilse brauchte nach ihrer Rückkehr Erholungszeit, darum probierten sie es mit der Tagespflege in Himmelpforten. „Und jetzt? Er hat nicht einmal angerufen. Er ist da so  glücklich und zufrieden“, erzählt sie. Dreimal in der Woche ist er bis 15:30 Uhr dort. Was Ulli da gefällt? „Alles. Die Leute, die da sind, und wie sie mit uns umgehen. Und das Essen ist gut“, hebt er hervor, „ich möchte das gar nicht missen.“ Ilse nutzt die Zeit, um auszuschlafen, sich ums Haus zu kümmern, einzukaufen, sich mit Bekannten zu treffen und Zeit für sich zu haben. „Ich habe wieder ein bisschen Leben“, sagt sie glücklich. 

Damit es zuhause weitergeht

Auch die 76-jährige Gerda ist seit fünf Jahren in Tagespflege – zunächst in einer anderen Einrichtung, doch nach deren Schließung Ende letzten Jahres nun in der Tagespflege. Vier Tage die Woche ist sie inzwischen dort, denn aufgrund ihrer schweren Demenz brauchen ihr Mann Helmuth (81) und die Familie diese Entlastung. „Das Ziel ist, meine Mutter so lange wie möglich zuhause in dem Umfeld lassen zu können“, erklärt ihre Tochter Astrid. „Zu Anfang denkt man, soll man sie nicht zuhause behalten?“, erinnert sie sich. „Es war wie mit einem Kind, das man in den Kindergarten bringt: dass da so ein Fremdeln ist und das Kind es nicht so recht versteht, um am Ende dann zufrieden und glücklich damit zu sein. So war es mit meiner Mutter auch.“ Der Wechsel nach Himmelpforten verlief reibungslos. „Es ist ein Geschenk, so eine Einrichtung zu haben, wo man sie in gute Hände geben kann.“ 

Aller Anfang ist schwer

Selbstverständlich gibt es immer wieder Menschen, die sich schwer tun, in die Tagespflege zu kommen. Monique Riedel, Pflegedienstleitung, erinnert sich voller Mitleid an den ersten Besuchertag von Johanna*:

„Sie hatte so Angst vor dem Tag, als sie zu uns kam. Sie hat am Anfang viel geweint, die arme Frau. Aber am Ende des Tages war sie so glücklich, dass sie gesagt hat, sie möchte gerne wiederkommen.“ 

Und das erzählt Johanna nun anderen Neuankömmlingen, um ihnen die Angst zu nehmen. 

Gerade Menschen mit Demenz bräuchten häufig ein wenig länger, um sich einzugewöhnen, erklärt Angelika Haack, Einrichtungsleiterin der Tagespflegeeinrichtungen Buxtehude, Himmelpforten und Stade, aber mit der Geduld des Personals findet jeder seinen Platz. „Wir haben einfach Glück, dass wir so tolles Personal haben. Die gehen in ihrem Job richtig auf“, betont sie. 

Auf die Gäste abgestimmt

Dass sich die Gäste so wohl fühlen, liegt auch an dem Konzept der Tagespflege. „Die Betreuung wird auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt“, erklärt Monique Riedel. Das Angebot umfasst dabei die Förderung der Alltagskompetenzen, das Beisammensein, Gespräche führen, Förderung der Beweglichkeit, Spaziergänge, Ruhezeiten, gemeinsames Spielen, Basteln und Essen. Wer möchte, kann nach seinen eigenen Möglichkeiten Aufgaben übernehmen, um sich nützlich zu fühlen. Angelika Haack ist stolz auf ihre Einrichtung und das Team: „Wir haben es in den mehr als zehn Jahren nicht erlebt, dass jemand bei uns war, wo man es nicht hinbekommen hat, dass derjenige sich bei uns wohlfühlt.“ 

Pflegekasse übernimmt die Kosten

Ab Pflegegrad 2 übernimmt die Pflegekasse die Kosten für zwei Tage Aufenthalt in der Tagespflege, bei höheren Pflegegraden auch mehr Tage. Einige der Gäste leben allein und genießen die Gesellschaft und umsorgt zu werden, sich selbst einzubringen und sich nützlich und wertgeschätzt zu fühlen. Besonders die Geburtstagsrunden, mit Gesang, Kuchen und einem besonderen Gedeck, rühren viele zu Tränen, die schon lange allein waren.

Plätze frei

Pro Tag dürfen bis zu 18 Gäste die Tagespflege in Anspruch nehmen. Ein Fahrdienst holt sie ab und bringt sie in einem Umkreis von 15 Kilometern wieder nach Hause. Vor Corona gab es eine Warteliste, doch aus Angst vor Ansteckung sind Plätze frei geworden, die sich jetzt wieder füllen. Eine Anfrage lohnt sich. Ilse, die mit ihrem Mann wieder ein glücklicheres Leben führt, appelliert an alle, die an ihre Grenzen stoßen: „Holt euch Hilfe – ich hab es viel zu spät gemacht.“ (KL) *Namen geändert

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Kontakt

DRK Tagespflege Himmelpforten
Tel. 04144 23 510-23